Erziehung im Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse

Die Erziehung hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Gründe dafür sind veränderte Lebensumstände, eine höhere Lebensqualität sowie flachere Hierarchien. Erziehung ist schließlich ein Prozess, der die Verhältnisse in einer Gesellschaft widerspiegelt. Herrschen zum Beispiel starke Abhängigkeitsverhältnisse vor, wird eher autoritär erzogen. Gesellschaften mit hohem Freiheitsgrad und Partizipationsmöglichkeiten für den Einzelnen erziehen hingegen eher partnerschaftlich.

Insbesondere die 68er Bewegung markiert einen Umbruch in der westlichen Welt, da von diesem Zeitpunkt an die autoritäre Erziehung in Verruf kam und nicht mehr so selbstverständlich angewandt werden konnte wie in früheren Zeiten. Doch egal, in welcher Epoche man sich befindet, fragen Eltern sich stets, wie sie ihre Kinder richtig erziehen können.

 

Erziehung in der Vergangenheit

Die Art und Weise der Erziehung ist ein Resonanzraum für die gesellschaftlichen Zustände, was sich im Angesicht der historischen Epochen beobachten lässt. Im Mittelalter herrschten starke feudale Abhängigkeiten und Unterdrückungen von Bauern und Handwerkern vor. Die weltliche Macht galt als absolut und wurde von der geistlichen Macht gestützt. Die Eltern von Kinder ähnelten geprügelten Hunden.

Unter ihnen standen nur die eigenen Kinder, die viel geschlagen wurden und bereits mit drei Jahren zur Arbeit herangezogen wurden. Dabei ist zu beachten, dass die Brechung des Willens und die aufgezwungene Obrigkeitshörigkeit ein Mittel zum Überleben waren, da bereits ein falsches Wort zu Tod und Folter führen konnte. Während der Industrialisierung wurde das tradierte Erziehungskonzept beibehalten, weil es sich ebenso gut in den Alltag von Fabriken einfügen ließ, in denen der Besitzer sich als Herr und Vater seiner Arbeitskräfte verstand.

Erziehung in demokratischen Gesellschaften

Erziehung in einer Demokratie verträgt sich allerdings nicht mit derartigen Methoden. In einer Demokratie sollte der Einzelne nicht mehr passiver Befehlsempfänger sein. Die Demokratie verschafft dem Individuum hingegen zahlreiche Möglichkeiten, seine Talente zu entfalten, was im Endeffekt der ganzen Gesellschaft zugute kommt, die von den Potentialen profitiert.

Um sich in diesem kreativen Milieu durchzusetzen, sind andere Werte erforderlich als in einer Armee oder Fabrik. Nur wer ein positives Verhältnis zur Umwelt und Gesellschaft hat und dazu fähig ist, für seine Werte gegen Widerstände einzustehen, ist zu großartigen Leistungen fähig, die den Unterschied ausmachen und Beachtung finden. Wer nur gehorchen kann und keinen eigenen Willen hat, geht unter.